Ernährungstipps für Dialysepatienten

von Huberta Eder.

Die Autorin ist als Diät-Lehrassistentin am Klinikum der Justus - Liebig - Universität Gießen beschäftigt. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt der Ernährung von Dialysepatienten. 

Liebe Dialysepatientinnen und -patienten!

Mit diesem kleinen Ernährungstelegramm möchte ich Ihnen die wichtigsten Merkmale für Ihre Ernährung zukommen lassen.

Essen hält Leib und Seele zusammen .
Dieses bekannte Sprichwort verdeutlicht, dass ein guter Ernährungszustand in besonderem Maße zum Wohlbefinden und zur besseren Lebensqualität von Dialysepatienten beiträgt.

Gute Kenntnisse über den Bedarf der Nährstoffe und die Zusammensetzung der täglichen Ernährung geben die Chance, das Essen abwechslungsreich zu gestalten.

Lieblingsgerichte und familiäre Essgewohnheiten sollten möglichst in den täglichen Speiseplan einbezogen werden.

Essen soll in jedem Falle Freude machen, Genuss bereiten und muss vor allen Dingen schmecken. Kochen soll zum echten Kochspaß werden.

Für Diabetiker gelten die Ernährungsregeln einer Diabeteskost, die in Einklang mit der Ernährung von Dialysepatienten gebracht werden.

Während die Kost für Patienten mit Peritonealdialyse (PD) in der Regel etwas gelockerter ist, bleibt die Phosphatzufuhr wie für Hämodialyse -  Patienten eingeschränkt.

Die fünf wichtigsten Ernährungsziele

Die ausreichende Zufuhr von

Eiweiß und Kalorien.

Die eingeschränkte (angepasste) Zufuhr von

Phosphat, Kalium und Flüssigkeit

(Durstgefühl verringern; Restausscheidung beachten)

Das „WAS - WARUM - WIE" der täglichen Ernährung

Wie reagiert mein Körper, wenn ich die einzelnen Nahrungsbestandteile in nicht ausgewogenem Maße zu mir nehme? 

Wie hoch liegt die tägliche Zufuhr?

In welchen Lebensmitteln sind sie in besonderem Maße enthalten?

Welche Lebensmittel wähle ich am besten aus?

Kann ich für einen täglichen Ausgleich sorgen?

Was sollte ich beim Kochen beachten?

1. Eiweiß

Eiweiß ist ein wichtiger Baustoff für den Körper. Eine mangelnde Eiweißzufuhr fördert den Abbau von körpereigenem Eiweiß. Die Folgen sind z.B. ein schlechter Ernährungszustand, Kräfteverfall, höhere Infektanfälligkeit.

Wird zuviel Eiweiß zugeführt, steigen u.a. die harnpflichtigen Stoffe im Blut an.

Eiweißbedarf pro Tag: 1-1,2 g Eiweiß (1,5 g Eiweiß bei Peritonealdialyse) pro Kilogramm Körpergewicht; entsprechend 70-75 g Eiweiß Gesamtmenge.

Die tägliche Eiweißmenge wird zu einem Drittel durch den täglichen Verzehr einer Fleischportion (120 g Rohgewicht, entspricht 80-90 g gegartem Fleisch) oder Fischportion (150 g Rohgewicht) oder einer Eierspeise (2 Stück) gedeckt. Ergänzt wird die Eiweißmenge durch die Zufuhr von Wurst, Käse, Quark und Ei mit insgesamt 100 g pro Tag (Brotbelag).

Pflanzliches und tierisches Eiweiß, in Kombination gegessen, verbessert die Eiweißqualität. Praktische Beispiele: Käsebrot, Kuchen, Kartoffel mit Ei, Semmelknödel zu Fleischgerichten.

2. Kalorien

(körperliche Aktivität)

Wenn die tägliche Kalorienzufuhr unzureichend ist, kommt es u.a. zum Kräfteverfall und unerwünschten Abbau von körpereigenem Eiweiß, welches zu Energie verbrannt wird. Energielieferanten sind jedoch Fette und Kohlenhydrate.

Bei leichter körperlicher Tätigkeit sollten pro Kilogramm Körpergewicht ca. 35 Kalorien zugeführt werden. Bei vermehrter körperlicher Tätigkeit ist eine höhere Energiezufuhr notwendig.

In der Regel wird der Appetit durch Hunger und Sättigung geregelt. Mangelnder Appetit kann jedoch eine Ursache für bestehendes Untergewicht sein.

Fette wie Margarine, Butter, Öl, Sahne, Majonäse liefern in hohem Maße Kalorien. Bei bestehendem Übergewicht sollte die Fettzufuhr eingeschränkt verzehrt werden; hierbei ist Halbfett-Margarine als Streichfett zu empfehlen.

Ausreichende Bewegung unterstützt den Aufbau von Körpersubstanz und das allgemeine Wohlbefinden.

3. Phosphat

Phosphat ist schwer dialysierbar und sammelt sich auf Dauer im Körper in hohem Maße an. Eine übermäßige Phosphatzufuhr führt u.a. zu Ablagerungen von Kalziumphosphat in den Blutgefäßen und Weichteilen des Körpers. Im Laufe der Jahre kommt es zur schmerzhaften Entkalkung der Knochen.

Mit der täglichen Nahrung werden etwa 1000-1100 mg Phosphor aufgenommen.
Eiweißreiche Lebensmittel sind auch gleichzeitig phosphatreich. Da Eiweiß aber in ausreichendem Maße mit der Nahrung zugeführt werden muss, ist hierbei insbesondere auf die richtige Portionsgröße von Fleisch, Fisch, Wurst, Eiern (2 Eigelb entsprechen dem Phosphatgehalt einer Fleischportion) und Käse zu achten (s. Eiweiß). Lezithinpräparate sind reich an Phosphat.

Auf besonders phosphatreiche Lebensmittel sollte verzichtet werden: größere Fleisch- und Fischportionen, Leber, Hülsenfrüchte, Vollgetreide, Schmelzkäse mit phosphathaltigem Schmelzsalz, Hartkäse (Emmentaler), Dosenmilch in größeren Mengen, normales Backpulver (bei größerem Verzehr von Kuchen aus Rührteig und Quark-Ölteig), Nüsse und Mandeln.

Brühwurst ohne Phosphatzusatz sollte, wenn möglich, verzehrt werden.

Phosphatzusätze sind kennzeichnungspflichtig. Dazu gehören Zusatzstoffe mit folgenden E-Nummern: E 338, E 339, E 340, E 341 sowie E 450, E 451, E 452. Sie sind auf der Zutatenliste der Lebensmittelverpackung oder auf dem Verkaufsschild lesbar und lassen sich auch an der Wurst- und Käsetheke erfragen.

Cola erhöht erfahrungsgemäß den Phosphatspiegel im Blut. Daher sollten Dialysepatienten, die phosphatempfindlich reagieren, den Genuss von Cola einschränken bzw. ganz vermeiden.

Phosphatbinder müssen in entsprechender Menge zu den Mahlzeiten eingenommen werden (Anweisungen des Arztes beachten).

4. Kalium

Ein zu hoher Kaliumspiegel im Blut lähmt die Muskulatur und kann bis zum Herzstillstand führen.

Die Kaliumzufuhr liegt im Allgemeinen bei ca. 2000 mg pro Tag; dabei ist die Restausscheidung zu beachten (hierbei ist eine eventuelle höhere Kaliumzufuhr möglich).

Kalium kommt in fast allen Lebensmitteln in unterschiedlicher Höhe vor.
Kaliumreiche Lebensmittel sind z.B. Trockenobst, Nüsse, Mandeln, Bananen, Weintrauben, Schokolade, Broccoli, Spinat, Feldsalat, Meerrettich, Obst- und Gemüsesäfte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Kaffee, Milch, Fleisch und Fisch.
Kaliumarme Lebensmittel sind z.B. helles Mehl und daraus hergestellte Produkte (Brot, Kuchen, Nudeln), Reis, Ei, Käse, Sahne, Majonäse, Tee, Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Heidelbeeren und gekochte Sauerkirschen.

Die Kaliumzufuhr lässt sich beeinflussen durch die richtige
-> Lebensmittelauswahl,
-> Portionsgröße,
-> küchentechnische Zubereitung.
Kalium ist gut wasserlöslich. Wenn also ein Lebensmittel in einer ausreichenden Menge Wasser gekocht (geschmort) wird, geht etwa die Hälfte der Kaliummenge ins Kochwasser (Schmorflüssigkeit) über. Dieses soll daher nicht mitverzehrt werden.
Das gilt auch für das Konservenwasser, welches ebenfalls weggeschüttet werden soll.
Kartoffeln sollten möglichst klein geschnitten, über Nacht gewässert, abgespült und anschließend in einer ausreichenden Menge frischem Wasser gekocht werden. Das Kochwasser muss ebenfalls weggeschüttet werden.

Beim Braten und Grillen entsteht kein Kaliumverlust.

„Diätsalz" (Kaliumchlorid) ist verboten!

5. Flüssigkeit 

(Durstgefühl verringern)

Eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr belastet im hohen Maße Herz und Kreislauf.

In Abhängigkeit von der Restausscheidung wird die Höhe der täglichen Trinkmenge mit dem Arzt festgelegt (ca. 500-800 ml).

Bei vermehrter körperlicher Betätigung, Sommerhitze/ Saunabesuch liegt der Flüssigkeitsbedarf etwas höher (Personenwaage).

Getränke, Obst, Gemüse, Suppen, Soßen, Pudding, Breie sind Beispiele für Lebensmittel mit einem sehr hohen Wassergehalt.

Ein Tagesessen, ohne Getränke, enthält ca. ein Liter Wasser.

Mit Kochsalz ist sparsam umzugehen, um das Durstgefühl nicht unnötig zu fördern. Besonders salzhaltig sind ferner: Würzmittel (Brühwürfel, Flüssigwürze), Salzgebäck, roher Schinken, Salami, Räucher- und Pökelwaren, Fertiggerichte, Essen außer Haus.

Auch zuviel Süßes verstärkt den Durst: Kuchen, Eis, Limonaden, Süßigkeiten  und Zucker. Süßstoff ruft kein Durstgefühl hervor, süßt kalorienfrei und ist außerdem bei Übergewicht zu empfehlen.

Von Knoblauch ist abzuraten, da er das Durstgefühl verstärkt.

Schlussgedanken

Mit diesem kleinen Ernährungstelegramm hoffe ich, Ihnen einen kurzen Überblick gegeben zu haben. Vielleicht konnte ich auch gleichzeitig Ihre Neugierde wecken,  mehr über eine abwechslungsreiche und schmackhafte Küche für Dialysepatienten zu erfahren.

Folgende Bücher sind von mir im  Verlag Kirchheim + Co. GmbH, Kaiserstr. 41; 5515 Mainz  erschienen und in jeder Buchhandlung erhältlich.

Bessere Ernährung für Dialysepatienten
-Punkt  für Punkt leicht gemacht (Eder/Schott), 

Bunte Küche für Dialysepatienten
von Huberta Eder; ein Buch mit vielen Koch und Backrezepten

Am besten frisch gekocht!
von Huberta Eder,  -Sinnvolle Ernährung bei chronischer Nierenerkrankung unter besonderer Berücksichtigung von Bluthochdruck und Diabetes mellitus- 1. Auflage, 257 Seiten

Gesunde Ernährung für Nierentransplantierte
von Huberta Eder und med. R. Schäfer -Ratgeber und Kochbuch für Menschen mit neuer Niere.
1. Auflage 2010; 192 Seiten, Hardcover

 

Ich wünsche Ihnen allzeit das Beste, recht viel Spaß beim Kochen sowie Freude und Genuss am täglichen Essen.

Huberta Eder
mailto: huberta.eder@web.de 

© Huberta Eder, Gießen

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